SAMSTAG_28.02.2009_ABENDPROGRAMM_20.30 UHR
20:30 ABSCHLUSSKONZERT "Re-Inventionen. Frühe Stücke für Tonband und Solisten"
Bruno Maderna „Musica su due dimensione“ (1952/1958)
Luigi Nono „La Fabbrica illuminata“ (1964)
Alvin Lucier „I´m Sitting in a Room“ (1970)
John Cage „Musicircus“ (1967) adaptiert von Burkhard Schlothauer
Ensemble Wandelweiser
Das Konzert des Wandelweiser-Ensembles im Rahmen des Festival Re-*. RECYCLING_SAMPLING_JAMMING. Künstlerische Strategien der Gegenwart" wird das Verhältnis von Aufnahme und Performance in ihrer zeitlichen und reflexiven Komplexität untersuchen. Drei historische Stücke für Solo-Instrument/Performer und Zuspielband, die das auf dem Band verarbeitete Material auf fundamental unterschiedliche Art und Weise unter anderem aus den möglichen instrumentalen Klängen des Stücks beziehen, kommen im ersten Teil des Konzerts zur Aufführung.
Im zweiten Teil des Konzerts werden diese drei Stücke im Rahmen einer freien Adaption von John Cages Konzeptstück „Musicircus“ (1967) in Ausschnitten eingespielt und mit Stücken von Burkhard Schlothauer kombiniert.
Zu Anfang das Programms wird das erste Stück der Musikgeschichte für elektronisch erzeugte Klänge und Liveinterpreten, Bruno Madernas „Musica su due dimensione“ für Flöte und Stereotonband von 1952/1958 zu hören sein. Dieses Stück enthält auf dem Tonband gespeicherte Flötenklänge und elektronische Klänge, auf die sich die live gespielte Flöte auf vielfältige Art und Weise bezieht. Zweidimensional ist dieses Stück einerseits durch die damals noch atemberaubend neue Stereofonie, andererseits durch die Gegenüberstellung kontroverser Welten – gespeicherte Tonspuren versus körperlich erzeugte Echtzeitaufführung – und zudem noch durch den Gegensatz von Komposition und Aleatorik, denn die Partitur enthält sowohl streng komponierte als auch improvisatorische Teile, in denen der Spieler auf das Band reagiert.
Dauer 12 – 13 Minuten. Solist: Erik Drescher, Flöte.
Luigi Nonos „La Fabbrica Illuminata“ für Sopran und 4-Kanal-Tonband von 196… enthält auf dem Zuspielband Geräusche aus der Fabrik, Klänge eines Rundfunkchors und die Stimme der Sängerin der Uraufführung die allesamt mit Mitteln der Tonbandtechnik verändert und geschichtet wurden. Die Sängerin und das Publikum sind im Focus der vier Lautsprecher positioniert und so verwirklicht sich ein für die Entstehungszeit des Stückes neuartiges Erlebnis.
Dauer ca. 16 Minuten. Stimme: Kerstin Fuchs
Alvin Luciers „I´m Sitting in a Room“ (1970) führt auf genial einfache Weise in einem rekursiven Prozess des Aufnehmens eines gesprochenen Satzes, seiner darauf folgenden Wiedergabe in den Raum und gleichzeitiger Wiederaufnahme in einer größeren Anzahl von Wiederholungen vor, wie die Formanten des akustischen Raums sich auf die Aufnahme auswirken und wie Aufnahmeprozess und technische Komponenten den akustischen Raum beeinflussen. Lucier hat anheim gestellt, dieses Stück mit einem anderen Text zu realisieren. Dieses theoretisch relativ bekannte Stück wird sinnlich erfahrbar gemacht und mit einem neuen, auf die geänderten Herstellungsbedingungen abgestimmten Text, musikalisch live realisiert.
Dauer ca. 20 Minuten. Performer: Burkhard Schlothauer, Stimme, Ralf Meinz, Technik.
John Cages Konzeptstück „Musicircus“ von 1967 ist eines seiner am wenigsten intentionalen Stücke und dem Wesen nach anarchischsten Stücke. Der Komponist versteht sich hier nur mehr als Anreger eines möglichst vielseitigen und vielschichtigen Ereignisses, bei dem sich alles von selbst zusammenfindet, ohne dass der Komponist dieses Ereignis im Einzelnen plant und beeinflusst.
Dieses Konzept hat Burkhard Schlothauer adaptiert und auf einen Teil seines Werkes angewendet. Einige seiner Stücke begegnen uns hier in voller Länge, andere in Ausschnitten. Dazu wird das neue Trio „13 similar Events für Stimme, Viola und Flöte“ aufgeführt. Ab und zu öffnet sich ein akustisches Fenster in Großstadträume und auch die bereits im Konzert gehörten Stücke begegnen dem Auditorium nun in anderer Umgebung erneut. Weitere Re-*flexionen über das Thema Wiederkehr des Vergänglichen und Verdichtung durch Aufnahme, über Re-*konstruktion, Re-*montage, Re-*organisation, Re-*petition, Re-*ferenz und Re-*konstition im Wahrnehmungsprozess werden ermöglicht.
Dauer ca. 20 Minuten, Kerstin Fuchs, Stimme; Erik Drescher, Flöte; Burkhard Schlothauer, Viola; Ralf Meinz, Technik.
Ensemble Wandelweiser
Interpreten:
Erik Drescher (Flöte),
Kerstin Fuchs (Gesang),
Burkhard Schothauer (Viola, Sprechstimme und Konzeption)
Ralf Meinz (Tonregie)